MARXISMUS ONLINE #3: Sozialreform oder Revolution

Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution und historischer SPD-Parteitag

Kann der Kapitalismus Schritt für Schritt überwunden werden?

Reicht es, den Kapitalismus Stück für Stück zu reformieren – oder bedarf es einer grundlegendengesellschaftliche Umwälzung?

Rosa Luxemburg stellte diese Frage bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit großer Schärfe. In ihrer berühmten Schrift Sozialreform oder Revolution? setzte sie sich mit der Vorstellung auseinander, dass sich der Sozialismus durch immer mehr Reformen, bessere Arbeitsbedingungen und eine Ausweitung demokratischer Rechte allmählich aus dem Kapitalismus heraus entwickeln könne.

Luxemburgs Antwort war grundsätzlicher: Reformen können die Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen verbessern und sind deshalb keineswegs bedeutungslos. Aber sie verändern nicht automatisch die gesellschaftlichen Grundlagen des Kapitalismus. Wer den Sozialismus will, muss deshalb auch die Frage nach Eigentum, Klassenherrschaft und politischer Macht stellen.

Damit berührt die Schrift eine Frage, die weit über die damalige Auseinandersetzung hinausgeht: Kann eine Gesellschaft, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und auf Lohnarbeit beruht, durch schrittweise Veränderungen in eine sozialistische Gesellschaft verwandelt werden – oder setzt Sozialismus einen Bruch mit diesen gesellschaftlichen Verhältnissen voraus?

Wir wollen Luxemburgs Argumentation im Rahmen unserer Reihe MARXISMUS ONLINE gemeinsam nachvollziehen, ihre zentralen Begriffe klären und diskutieren, was uns diese mehr als 125 Jahre alte Schrift heute noch zu sagen hat.

Die Veranstaltung richtet sich an alle, die einen verständlichen Einstieg in Rosa Luxemburgs Denken suchen – ohne Vorkenntnisse, aber mit Interesse an der Frage, wie gesellschaftliche Veränderung tatsächlich möglich werden kann.

Neugierig? Dann lass Dich einladen – und diskutier mit!

Schick ein Mail an gkk@tuta.com, dann schicken wir Dir den Link zum Jitsi-Raum.

Und hier, zur Appetitanregung, ein kleines Zitat aus der Schrift Rosa Luxemburgs:

Und die Marxsche Lehre ist nicht nur imstande, ihn theoretisch zu widerlegen, sondern sie ist es allein, die in der Lage ist, den Opportunismus als geschichtliche Erscheinung in dem Werdegange der Partei auch zu erklären. Der weltgeschichtliche Vormarsch des Proletariats bis zu seinem Siege ist tatsächlich „keine so einfache Sache“. Die ganze Besonderheit dieser Bewegung liegt darin, daß hier zum erstenmal in der Geschichte die Volksmassen selbst und gegen alle herrschenden Klassen ihren Willen durchsetzen, diesen Willen aber ins jenseits der heutigen Gesellschaft, über sie hinaus setzen müssen. Diesen Willen können sich die Massen aber wiederum nur im beständigen Kampfe mit der bestehenden Ordnung, nur in ihrem Rahmen ausbilden. Die Vereinigung der großen Volksmasse mit einem über die ganze bestehende Ordnung hinausgehenden Ziele, des alltäglichen Kampfes mit der großen Weltreform, das ist das große Problem der sozialdemokratischen Bewegung, die sich auch folgerichtig auf dem ganzen Entwicklungsgange zwischen den beiden Klippen: zwischen dem Aufgeben des Massencharakters und dem Aufgeben des Endziels, zwischen dem Rückfall in die Sekte und dem Umfall in die bürgerliche Reformbewegung, zwischen Anarchismus und Opportunismus vorwärts arbeiten muß.