Für das Recht der Arbeiter und Arbeiterinnen, zu migrieren, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen

Karte vonCeuta und der iberischen Halbinsel

Nieder mit den Mauern und Grenzen des Kapitals!

Der massenhafte Zustrom von 70.000 Menschen – überwiegend Jugendliche – nach Ceuta am 30. und 31. Juli, die von Marokko nach Europa migrieren wollten, ist die jüngste tragische Episode, die zeigt, wie die Grenzpolitik der mächtigsten Länder funktioniert, deren Wirtschaft ausländische Arbeitskraft intensiv anzieht und einverleibt.

Vom gesamten afrikanischen Kontinent und aus zahlreichen lateinamerikanischen und asiatischen Ländern – ohne das Innere Europas, wie die Ukraine, Rumänien oder die Türkei zu vergessen, – ist der Migrationsstrom in viele Länder Europas, einschließlich des spanischen Staates, seit Jahrzehnten das Blut, das zu Schleuderpreisen die Geschäfte und Profite der Bourgeoisien genährt hat. Und das ist so, weil diese Einverleibung nicht durch die Öffnung der Grenzen erfolgt, indem die so notwendige Arbeitskraft geschützt und ausgebildet, sondern im Gegenteil, indem die legale Auswanderung mit allen Mitteln erschwert, die »irreguläre« kriminalisiert und die Gewalt und der institutionelle Rassismus verstärkt wird. Das Ergebnis ist bekannt: Die Unternehmer haben stets eine bedeutende Masse des Proletariats »ohne Papiere« in Reichweite, die durch den Hunger – und die Angst vor der Polizei – gezwungen ist, Löhne sowie Arbeits- und Wohnbedingungen zu akzeptieren, die weit schlechter sind als die der übrigen »regulären« Arbeiter.

Die in Ceuta entstandene und bis jetzt ungelöst aufrechterhaltene Situation, deren Bilder an die elementarsten humanitären Gefühle appellieren müssten, ist weder »natürlich« noch »spontan«. Sie ist weder Teil der normalen Migrationsströme an dieser Grenze noch generell aus Afrika, aus denen nur ein sehr geringer Teil der irregulären Einwanderung nach Spanien stammt – wahrscheinlich aufgrund der „guten Dienste“ der marokkanischen Sicherheitskräfte:

„„Die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen in irregulärer administrativer Situation in Spanien ist von schätzungsweise 107.000 im Jahr 2017 auf 840.000 zum 1. Januar 2025 gestiegen. 760.000 von ihnen haben die Staatsangehörigkeit eines amerikanischen Landes; darunter befinden sich rund 290.000 Kolumbianerinnen, knapp 110.000 Peruanerinnen und etwa 90.000 Honduranerinnen. Mit deutlichem Abstand folgen afrikanische Staatsangehörige (50.000), asiatische (15.000) und europäische (14.000). Damit stellen Personen amerikanischer Staatsangehörigkeit 91 % der ausländischen Bevölkerung in Spanien in irregulärer administrativer Situation.“  (Funcas, „El número de inmigrantes en situación irregular en España aumenta de 107.000 en 2017 a 840.000 en 2025“, 26. Januar 2026.)

Die »Krise von Ceuta« wurde künstlich erzeugt und ist außerhalb des internationalen politischen und ökonomischen Kontexts nicht erklärbar

Die unmittelbaren Hintergründe des Menschenansturms zu Lande und zu Wasser, der mehr als 150 Tote – viele davon ertrunken – sowie Dutzende Verletzte (durch die Massenpanik und die anschließende brutale Polizeirepression auf beiden Seiten der Grenze) sowie Tausende von Flüchtlingen auf den Straßen und Stränden von Ceuta, stehen im Zusammenhang mit zwei Ereignissen, die die in der PP und VOX versammelte faschistische Clique (noch mehr) gegen die derzeitige spanische Regierung aufgebracht haben; sowie einem dritten Ereignis, das insbesondere die Interessen der marokkanischen und der US-amerikanischen Regierung beeinträchtigt hat:

  • das Dekret der Regierung von Pedro Sánchez (PSOE-Sumar-PCE) im vergangenen Frühjahr, mit dem ein Regularisierungsprozess für etwa 500.000 bereits sozial und wirtschaftlich integrierte Migranten eingeleitet wurde.
  • das Urteil 2965/2026 des spanischen Obersten Gerichtshofs von Ende Juni, das feststellt, dass Migranten, die auf dem Seeweg einreisen, nicht unmittelbar zurückgewiesen werden dürfen (»heiße Zurückweisung«) und die Garantien eines individuellen Verwaltungsverfahrens genießen müssen.
  • Die Halbierung der jährlichen US-Gasverkäufe in Spanien und die Rückgewinnung Algeriens als strategischer Partner im Energiebereich. Eine Situation, die sich mit dem Besuch von Pedro Sánchez in Algerien am 20. Juli zu stabilisieren scheint.Im Zentrum der Agenda stand die Stärkung der Gasversorgung, um die durch  den Krieg der USA gegen Iran und die Schließung der Straße von Hormus  verursachten Auswirkungen zu mildern.

Sánchez betonte, der Besuch habe »eine besondere Bedeutung« für die spanische Regierung, und unterstrich, dass Madrid Algerien nicht nur als Nachbarland, sondern als strategischen Partner betrachte. […]

Der spanische Regierungspräsident wies darauf hin, dass Algerien seit Beginn des Jahres 2026 zum ersten Lieferanten von Erdgas für Spanien geworden ist, dank der Pipeline ›Medgaz‹. […]

Bei dem Besuch begleitete ihn auch eine Gruppe hochrangiger Verantwortlicher spanischer Energieunternehmen, ein Zeichen des Interesses Madrids, die Investitionen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Algerien zu stärken. (Euronews, 21. Juli 2026. https://es.euronews.com/2026/07/21/sanchez-visita-argelia-para-abrir-una-nueva-etapa-de-cooperacion-tras-anos-de-tension).

Hinzuzufügen ist, dass es den USA aufgrund ihres Drucks, Russland unter dem Vorwand des Krieges gegen die Ukraine aus den europäischen Märkten zu verdrängen, gelungen war, sich zum Hauptlieferanten von Erdgas in Spanien zu machen. Doch im letzten Jahr hat die drastische Reduzierung ihrer Verkäufe dazu  geführt die USA hinter Algerien und sogar hinter Russland (!)  zurückfallen zu lassen.

Laut dem Statistischen Bulletin von Enagás erreichten die russischen Gaslieferungen 8.726 GWh gegenüber 5.505 GWh im gleichen Monat des Vorjahres, was einem Anstieg von 58,5 % entspricht. Damit deckte Russland 27,8 % aller von Spanien im Monat erhaltenen Lieferungen.

Gleichzeitig erlitten die Vereinigten Staaten einen starken Rückgang ihrer Exporte nach Spanien. Die US-Lieferungen sanken auf 4.763 GWh gegenüber 9.183 GWh im Mai 2025, ein Rückgang von 48,1 %. Infolgedessen fiel ihr Marktanteil auf 15,2 % und lag damit hinter Algerien und Russland. (El Economista, 16. Juni 2026. https://www.eleconomista.es/energia/noticias/13971556/06/26/rusia-eleva-un-58-las-ventas-de-gas-a-espana-en-mayo-ante-el-retroceso-de-eeuu.html)

Eineinhalb Monate nach dem tragischen und menschlich so kostspieligen Zustrom sucht niemand in Marokko oder Spanien ernsthaft nach den realen politischen Kräften hinter der Hightech der Computerbots, die mit gefälschten oder verzerrten Nachrichten und Methoden der Massenmanipulation in Internetforen für Jugendliche eine chaotische Masse von 70.000 Menschen in zwei Tagen vorantrieben. Noch weniger wird davon gesprochen, ein Strafverfahren gegen diese letztlich Verantwortlichen für die Dutzenden Toten und Vermissten auf beiden Seiten der Grenze einzuleiten. Verantwortliche, die eine ohnehin schon sehr dramatische gesellschaftliche Situation ausgenutzt haben: die in Marokko weit verbreitete Präsenz von vielen Tausenden Einheimischen und Durchreisenden aus anderen Teilen Afrikas, die aus dem Maghreb-Land nach Europa fliehen wollen, in der Hoffnung, dort Arbeit und eine bessere Zukunft zu finden.

Die alawitische Monarchie Marokkos war bereits ein privilegierter Verbündeter der USA, die seit Jahrzehnten ihre Armee ausbilden und »beraten«. Doch seit der Unterzeichnung der Abraham-Abkommen im Jahr 2020 (USA und Israel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Sudan und Marokko), die darauf abzielten, die Vorherrschaft des Kolonialstaates Israel im Nahen Osten und darüber hinaus »endgültig zu normalisieren«, ist die zionistische Armee auch in den Generalstab der marokkanischen Armee eingetreten, mit Aufgaben der »Koordination und Beratung für die strategische und Sicherheitszusammenarbeit«.Weiters haben Israel und Marokko im Januar 2026, Monate nach der brutalen Repression der Jugendproteste gegen die Regierung, einen bilateralen »gemeinsamen Militärplan« von »strukturellem« Charakter unterzeichnet, der Israel zusammen mit den USA den Zugang zur indirekten militärischen Kontrolle der Straße von Gibraltar von Afrika aus verschafft.

Auf der Suche nach der Spur derer, die sich bereichern

An diesem Punkt klärt sich der Nebel, der die angebliche offizielle Suche nach den »Anstiftern« des Massenzustroms verbirgt, ein wenig. Die verwendete Technologie scheint die Handschrift einer staatlichen Geheimdienstorganisation zu tragen. Welche Geheimdienste waren daran interessiert, die Regierung Sánchez in eine größere humanitäre Krise um die Migrationsfrage zu stürzen? Zum einen und zweifellos der marokkanische, verärgert über die spanische Annäherung an Algerien, das als Feind betrachtet wird, und weil es nach wie vor die Frente Polisario unterstützt und die marokkanische Besetzung der Sahara nicht anerkennt.

Ob am Ursprung des Manövers im Internet oder nicht, die marokkanische Regierung hatte sicherlich die Anweisung gegeben, den Zustrom nicht zu verhindern und ihre Polizei erleichterte ihn sogar. Völlig unempfindlich gegenüber dem Drama ihrer Bürger, hat die marokkanische Regierung die Gelegenheit genutzt, dem Spanischen Staat die Zähne zu zeigen und ihm mit den »Konsequenzen« zu drohen, wenn die maghrebinische Polizei sich weigert, – und seien es nur wenige Stunden – als repressiver Hund der Migration an den Grenzen zu kooperieren. Andererseits hat Marokko, wie es regelmäßig tut, die Forderung nach Rückgabe von Ceuta und Melilla (die es nie wirklich zurückzuerobern versucht hat) hervorgeholt, um den Nationalismus hinter dem diktatorischen Regime einer mittelalterlichen Monarchie anzustacheln, welche die kapitalistische Eigentümerin des größten Teils des Produktionssystems des Landes ist. Zwei auf einen Streich.

Die Regierung Sánchez hat andere äußere Feinde, viel mächtigere als den marokkanischen, die seit langem daran interessiert sind, sie zu destabilisieren: die Regierungen Netanjahu und Trump. Die USA und Israel verfügen über technologische Fähigkeiten, die weit über denen Marokkos liegen, und sind zweifellos in der Lage, die Manöver der marokkanischen Geheimdienste zu instrumentalisieren (oder zu blockieren, falls es ihnen nützt).

Darüber hinaus bleibt ein innerer Feind, der darauf erpicht ist, die sozialdemokratische Regierung mit allen Mitteln zu stürzen und der seinerseits sehr enge Verbindungen zu den Yankee- und zionistischen Diensten hat: die Parteien der franquistischen Bourgeoisie (PP-VOX), die bereits vor 30 Jahren die Geheimdienste des spanischen Staates nutzten, um den Rücktritt von Felipe González zu erzwingen. Angesichts der internationalen Hierarchie zwischen den Geheimdiensten und des öffentlichen und nachweisbaren Charakters der Aktion in den Internetforen kommen wir zu dem Schluss, dass – unabhängig davon, wer der direkte Organisator war (es könnten einige oder alle in Abstimmung miteinander gewesen sein!) – es sehr unwahrscheinlich ist, dass irgendetwas ohne (zumindest) die Zustimmung der CIA und des Mossad und (zumindest) ohne das Wissen der spanischen und marokkanischen Geheimdienste geschehen ist.

Dies wäre der Grund, warum die sozialdemokratische Regierung es vermeidet, die wahre Herkunft der Provokation zu untersuchen (oder offenzulegen). Wie bereits ihre Vorgänger von der PSOE hat sie beschlossen, die schmutzigen Machenschaften des spanischen Staates und seiner Verbündeten politisch zu vertuschen. Das würde auch erklären, warum die PP und VOX die Situation mit größtmöglicher moralischer Verkommenheit ausnutzen, dabei aber den Blick ausschließlich auf den nebensächlichen externen Akteur, Marokko, lenken, ohne jedoch ihren US-amerikanischen Geldgeber zu verärgern.

Man möge uns recht verstehen. Es handelt sich nicht um einen Spionagethriller. Es handelt sich um eine menschliche Tragödie, die mit politischen Zielen herbeigeführt wurde, in einem internationalen Kontext, in dem die mächtigsten Bourgeoisien des Planeten in eine militaristische Eskalation und Kriegsvorbereitung verstrickt sind. Eine Eskalation, die im Inneren jedes Landes die Stärkung der nationalistischen Ideologie, der Angst, des Hasses und der Entmenschlichung des (armen) Migranten als Ausländer sowie nach außen die Schaffung oder Stärkung von Blöcken von Verbündeten und die Behinderung oder Schwächung der Blöcke der anderen einschließt.. Auf dem Weltschachbrett, auf dem alle Kapitalisten die bürgerlichen Staaten nutzen, um ihr Eigentum und ihre Profite zu sichern und zu erweitern, werden die schwächsten Länder und die schwächste Bevölkerung aller Länder, wie die jungen Migrant*innen und Ceuta,  nur als Bauern im Spiel behandelt.

Die Regierung von Pedro Sánchez, gelähmt und in die Enge getrieben

Im Spanischen Staat sind die Regierungsmitglieder, die sie stützenden Parteien, die Opposition und die bürgerlichen Medien in eine endlose Diskussion darüner verstrickt, ob die Regierung gewarnt war oder nicht, ob die Geheimdienste funktioniert haben oder nicht, über die Koordination oder Nichtkoordination der Minister, über die Nichteinhaltung der »Verpflichtungen« der marokkanischen Regierung, für die sie von der EU bezahlt wird, über die Existenz von Beweisen, die die Hand Marokkos bei der Anstiftung des Ereignisses belegen … Es scheint, dass für sie alle die Hand der Geheimdienste Israels, der USA oder des spanischen Staates selbst nicht so besorgniserregend ist. Denn andererseits glaubt niemand an die Beteiligung Russlands, die von Pedro Sánchez angedeutet wurde —  wahrscheinlich um schneller materielle Unterstützung von der EU, die derzeit auf eine Vorkriegseskalation Russland konzentriert ist — zu erhalten. In jedem Fall stellen sich alle auf den Boden, den Migrationsdruck aus Afrika als »Staatsproblem« zu betrachten, und alle verteidigen die Notwendigkeit, die Militarisierung der Grenzen zu verstärken, um die Einreise von Menschen zu verringern, die vor dem Elend, ökologischen Katastrophen, dem Krieg, kurz: der fehlenden Zukunft fliehen.

Dieses diskursive Feld war früher fast ausschließlich VOX und der PP vorbehalten (wie auch dem gesamten faschistischen oder profaschistischen Gesindel auf dem Planeten), doch mittlerweile ist es offen Teil des „demokratischen“ und „liberalen“ Diskurses der Führungskräfte der Europäischen Union und der spanischen Regierung. Und wir sprechen von einem „diskursiven“ Bereich, denn in der gelebten Realität verfolgen die heuchlerische EU und die Regierungen aller politischen Couleur, aus denen sie besteht (einschließlich der spanischen), schon seit langem eine Politik der Kriminalisierung illegaler Migration und der Militarisierung der Grenzen, die wehrlose Arbeitskräfte abschiebt und Drittländer (darunter Marokko) dafür bezahlt, dass sie die Migranten „loswerden“, bevor sie die europäischen Grenzen erreichen, die das Mittelmeer in einen monströsen Friedhof verwandelt haben, auf dem seit 2014 mehr als 34.000 Menschen ums Leben gekommen sind … und die Arbeitsmigranten mit oder ohne Papiere, ganz besonders diejenigen, die aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, systematisch ausbeuten und polizeilich bedrängen.

Und dies tun dieselben Länder, die freien Durchgang für das Kapital und die ausländischen Kapitalisten fordern. Dieselben Länder, die seit Jahrzehnten der Ursprung des enormen afrikanischen Migrationsdrucks sind, weil es ihre Unternehmen sind, die die natürlichen Ressourcen plündern, die traditionellen Ökonomien zerstören und ökologische Krisen und endlose Kriege auf dem gesamten afrikanischen Kontinent hervorrufen.

All dies muss gesagt werden, indem ausdrücklich die Regierung von Pedro Sánchez benannt wird, Spezialistin für »progressives« Marketing, die als gute Sozialdemokratin von Zeit zu Zeit einige Zugeständnisse an die Arbeiter*innenklasse gewährt, um einen gewissen sozialen Frieden und die Unterstützung der Gewerkschaftsbürokratien zu sichern, aber stets aus der Perspektive der loyalen Verwaltung des Kapitalismus und seines Staates. Und so hat sie zweifellos den aktuellen Regularisierungsprozess für mehr als 500.000 Arbeitsmigrant*innen vorangetrieben, die bereits integriert und für die kapitalistische Wirtschaft notwendig sind. Gleichzeitig jedoch ist sie eine Regierung, die die gesamte Ausländergesetzgebung ihrer Vorgänger übernommen hat und den grausamen Europäischen Pakt über Migration und Asyl befürwortet. Ebenso haben wir Pedro Sánchez öffentliche Gesten gegen den Völkermord  in Palästina , sowie sein Bad im »internationalen Prestige« gesehen, ohne die enormen Bindungen des spanischen Staates an Israel aufzugeben. Sánchez tat öffentlich auch so, als widersetzte er sich Trump und dessen Forderungen nach Erhöhung der Militärausgaben. In Wirklichkeit vervielfachte er  aber diese Ausgaben bis zu dem jeweils von der NATO geforderten Niveau.

Die Loyalität zur Bourgeoisie und ihrem monarchischen Staat, die großen Dienste, die geleistet wurden, um den größten Teil der ultrareaktionären Reformen der vorherigen Regierungen aufrechtzuerhalten, reichen nicht aus, damit die Regierung Sánchez dem rasenden Hass und der politischen und juristischen Belagerung durch das reaktionäre Lager von PP-VOX entgeht, die in diesen Tagen ein höheres Niveau der Hysterie erreicht hat. Doch das Zentrum der politischen Besorgnis ist nicht die grausam verlängerte humanitäre Tragödie der Hunderten von Toten und Vermissten und der Tausenden von Flüchtlingen unter freiem Himmel in den Straßen und an den Stränden von Ceuta.

Nein. Jetzt ist die Sprache der Anschuldigungen und der politischen Antworten direkt militärisch, ja kriegerisch. Das »Vaterland« sei »invadiert« worden auf Befehl der marokkanischen Regierung, und Pedro Sánchez habe es »verraten«, so das franquistische Tandem PP und VOX, »die Integrität Spaniens« sei in Gefahr gebracht worden, und es gebe »Spuren«, die auf eine Provokation der Geheimdienste Israels und Russlands hindeuteten, so die sozialdemokratische Regierung, aber nicht auf die USA oder Marokko, trotz aller Zeugen, die die physische Zusammenarbeit der Polizei des letztgenannten Landes belegen, die den Zustrom erleichterte.

Während diskutiert wird, vergehen die Tage. Die Regierung beschränkt sich darauf, die militärische Präsenz und die Polizeirepression zu verstärken, um sich dafür zu entschuldigen, die Situation nicht rechtzeitig vorhergesehen zu haben.Die PP und VOX boykottieren mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (über die von ihnen kontrollierten regionalen oder lokalen Verwaltungen, die Justiz, die Polizei oder die Armee) jeden Versuch der Regierung, die unmenschlichen Bedingungen der Flüchtlinge zu verbessern und ein rechtliches Verwaltungsverfahren zur Abschiebung einzuführen. Denn man will die Aufnahme auf dem Festland verhindern, zumindest was die Erwachsenen betrifft. Die Gesetzgebung verbietet die Abschiebung unbegleiteter Minderjähriger. Selbst der Bau von provisorischen Lagern im Hafen, der in vielen anderen Fällen akzeptiert wurde, wird von den Polizeiverbänden gerichtlich angefochten! Die Verteidigung der „christlichen Zivilisation“, von der all diese Leute sprechen, die darauf aus sind, die Regierung zu stürzen, äußert sich darin, diese Barbarei voranzutreiben, zu verlängern und politisch auszunutzen.

Die Leitungen der großen Gewerkschaftsverbände und die Parteien, die sich auf die Arbeiter*innenklasse berufen, beschränken sich darauf, entsetzt zu beobachten und die Regierung zu beraten, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, aus ihrer Unabhängigkeit heraus zu intervenieren, und sei es nur aus humanitärer Solidarität. Die gemeinsame Erklärung von UGT und CCOO von Ceuta vom 30. August ist ein Beispiel dafür, wie die Gewerkschaftsbürokratien dazu gelangt sind, als bloße Krücken der bürgerlichen Politik zu handeln, indem sie die gesamte Anti-Einwanderungspolitik der EU und die gesamte patriotische und kolonialistische Propaganda der Regierung akzeptieren:

«Aus all diesen Gründen fordern UGT von Ceuta und CCOO Ceuta:

Anerkennung der Aggression und Entschlossenheit: Die Regierung muss anerkennen, dass das, was am 30. und 31. Juli geschah, ein Angriff auf die spanische Souveränität und ihre territoriale Integrität war, und gegenüber Marokko mit Entschlossenheit handeln.

Europäische Verantwortung: Die Europäische Union muss ihren Teil der Verantwortung übernehmen und Ressourcen und Lösungen bereitstellen, da Ceuta Außengrenze der EU ist.

Unmittelbare Umverteilung: Die Migranten, die in Ceuta bleiben, müssen aus der autonomen Stadt verlegt werden, während ihre Ausweisungs- oder Regularisierungsverfahren bearbeitet werden. Ceuta kann diesen Druck nicht weiter ertragen.

Verstärkung der Grenzsicherheit: Eine wirksame Kontrolle der Grenze muss gewährleistet werden, um neue Masseneinreisen zu verhindern und die spanische territoriale Integrität zu schützen.»

(Webseite der UGT Ceuta. *30. August 2026* https://www.ugtceuta.es/post/ccoo-ceuta-y-ugt-ceuta-ante-la-invasi%C3%B3n-sufrida-por-ceuta-hace-un-mes )

Das „invadierte“ Vaterland? Die verletzte Integrität Spaniens?

Zunächst einmal sind Ceuta und Melilla die letzten Reste der spanischen Kolonisation in Afrika. Militärplätze nahe der Straße von Gibraltar, dem strategischen einzigen Eingang ins Mittelmeer vom Atlantischen Ozean aus. Das dichtgedrängte Ceuta verfügte vor der aktuellen repressiven Verstärkung (die den Einsatz der Armee zur Verteidigung der Einrichtungen der großen Handelsketten einschließt) über 1.200 Polizisten und 2.600 Soldaten für eine Gesamtbevölkerung von 84.000 Einwohnern. Die Präsenz Spaniens auf diesen, von marokkanischem Gebiet umgebenen Inseln hängt nach wie vor und auch in Zukunft im Wesentlichen von den Interessen und Entscheidungen der USA ab, für die die Kontrolle über die Meerenge von entscheidender Bedeutung für ihre fortwährenden imperialistischen Manöver in Bezug auf Europa, Russland und den Nahen Osten ist.

Die Verteidigung des »invadierten Vaterlandes« ist umso lächerlicher, wenn man anerkennt, dass die in Ceuta blockierten Migranten nicht in der Militärstadt bleiben wollen, um Ceuta an Marokko anzuschließen, sondern aus jenem Land fliehen und so schnell wie möglich auf den europäischen Kontinent gelangen wollen. Doch darüber hinaus: Wie ist es möglich, ein paar Tausend wehrlose Jugendliche »Eindringlinge« zu nennen (ein Begriff, der sie automatisch zu Feinden macht), die – manipuliert durch eine Kampagne in den sozialen Netzwerken und auf der Suche, sich ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit zu verdienen – in eine tödliche Falle ohne Nahrung und Wasser  unter der Sonne von Ceuta im August geraten sind? Junge Menschen, die 150 Tote auf ihrem Weg hinterlassen haben. Die auf marokkanischem Gebiet und in Ceuta brutal unterdrückt wurden. Die größtenteils zur Rückkehr gezwungen wurden (diejenigen, die dorthin zurückkehren konnten), getrieben von Hitze, Hunger und Durst, die mit Hilfe der Schließung der Läden der großen Lebensmittelketten geschickt gegen sie eingesetzt wurden. Wie ist es möglich, dass die gesamte EU angesichts des „schwerwiegenden Problems“ einer Handvoll Tausend Migranten in Panik gerät und dass einige ihrer Länder sogar die Schließung der Binnengrenzen anordnen? Dieselbe EU, die vor vier Jahren innerhalb weniger Monate mehr als 6,5 Millionen ukrainische Flüchtlinge aufnehmen konnte (etwa 200.000 von ihnen kamen nach Spanien) und ihnen einen im Vergleich zu anderen Flüchtlingen deutlich besseren Status gewährte. Wenn man will, geht es auch.

Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich noch etwa 8.000 Migranten in den Straßen von Ceuta, darunter etwa 1.500 Minderjährige. Unter unmenschlichen Bedingungen überleben sie fundamental dank der solidarischen Hilfe der Nachbarn der armen Viertel und der NGOs. Die Regierung war noch nicht in der Lage, auch nur die minderjährigen Mädchen auf der Halbinsel oder in anderen EU-Ländern unterzubringen, wie sie mehrfach angekündigt hat. Die marokkanische Verwaltung wünscht die Rückkehr keines der Flüchtlinge und errichtet bereits eine an den Zaun des spanischen Teils der Grenze angelehnte Pforte, um sie für den Fall der Fälle zu verhindern.

Als am 18. September endlich das erste Lager im Hafen in Betrieb genommen wurde, war es nur für 1.700 Personen, wobei der Rest weiterhin unter freiem Himmel blieb. Die Stadt ist kollabiert und mit Müll überschwemmt, die Bevölkerung erschöpft und der Abwesenheit einer Lösung überdrüssig. Die Migrant*innen sind verzweifelt. Es ist das perfekte Panorama für die Propaganda der nationalen und internationalen Apologeten des Faschismus, des Rassismus und des Kampfes gegen die Migrant*innen.

Unsere Position

Eine klassenbewusste und revolutionäre Haltung muss sich streng am Prinzip des proletarischen Internationalismus orientieren, was bedeutet, dass wir unsere Klassenbrüder und -schwestern aus jedem Land gegenüber der Bourgeoisie unseres eigenen Landes oder ihres Landes verteidigen und unterstützen müssen.

  • Wir setzen uns für das Recht aller Arbeiter*innen weltweit ein, auf der Suche nach Arbeit frei zu migrieren, dabei nicht zu sterben und im Aufnahmeland weder unterdrückt, verfolgt noch ausgebeutet zu werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Organisationen der Arbeiter*innenbewegung im Spanischen Staat (politische, gewerkschaftliche, soziale, kulturelle usw.) mit der versöhnlerischen und feigen Politik der Regierung Sánchez brechen, um ihre Kräfte zu bündeln und sich zu organisieren:
  • Die unmittelbare, materielle und direkte humanitäre Solidarität mit den Flüchtlingen von Ceuta, die nicht weiterhin ausschließlich auf dem guten Willen der lokalen arbeitenden Bevölkerung und der NGOs lasten darf.
  • Die Forderung nach der Verlegung der Migranten auf die Halbinsel ohne weitere Verzögerung und ihrer Eingliederung in den Raum der EU unter mindestens denselben Bedingungen, die den früheren Flüchtlingen gewährt wurden.
  • Die Aufhebung des Ausländergesetzes mit seinen CIE (Centro de Internamiento de Extranjeros/Internierungszentren für „Fremde“), seinen Deportationen und Mauern. Die Regularisierung der Gesamtheit der migrierten Arbeiter und Arbeiterinnen mit gleichen sozialen, arbeitsrechtlichen, zivilen und politischen Rechten.
  • Um die mörderische Militarisierung der Grenzen zu beenden —  Auflösung der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex).
  • Für die Organisation der Selbstverteidigung als eine einzige Klasse gegen die faschistischen Angriffe auf ausländische oder auf rassistische Weise markierte Arbeiter*innen.
  • Für den endgültigen Abzug der spanischen Armee und der Repressionsorgane aus Ceuta und Melilla.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Organisationen der Arbeiter*innenbewegung im Spanischen Staat die wirksame Klassensolidarität zwischen den Arbeiter*innen Marokkos und des spanischen Staates organisieren.

20. September 2026.

Internaciema Kolectivista Cirklo

(Sektion des CoReP im Spanischen Staat)