Soziale Revolution heißt Emanzipation der Frauen erkämpfen!

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Von der globalen Wirtschafts- und Gesundheitskrise 2020-2021 sind Frauen besonders betroffen, sei es durch die Ansteckungsgefahr in Krankenhäusern, im Reinigungsdienst oder in der Industrie, sei es durch den Abbau bestimmter Tätigkeiten und den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsplatzverlust stieg für Männer um 3,9 Prozent und für Frauen um 5 Prozent (ILO/ILO, 25. Januar 2021). 

Überall richten sich „Ehrenmorde“, sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen vor allem gegen Frauen. Sie sind besonders von Kriegen betroffen. Achtzig Prozent der 42 Millionen Opfer von Zwangsprostitution sind Frauen, die überwiegende Mehrheit von ihnen Mädchen aus der Arbeiterklasse. Jedes Jahr werden 1,5 Millionen Mädchen gegen ihren Willen verheiratet. Jedes Jahr werden vier Millionen Mädchen sexuell verstümmelt (Beschneidung oder Infibulation). In den imperialistischen Ländern hat der systematische Angriff auf die öffentlichen Dienste durch alle Regierungen besonders die arbeitenden Frauen getroffen.

Alle religiösen Apparate versuchen, Frauen in Unterwürfigkeit zu halten. Reaktionäre politische Strömungen nutzen die Religion, um die von Frauen errungenen Rechte in Frage zu stellen: Daesh (Islamischer Staat) in Syrien und im Irak, Morawiecki und die PiS in Polen, Bolsonaro in Brasilien, Rodrigo Duterte auf den Philippinen, die faschistische Partei Vox in Spanien, Modi und die BJP in Indien, Erdogan und die AKP in der Türkei, Putin in Russland, die Taliban in Afghanistan…

Nichtsdestotrotz haben Arbeiterinnen und Studentinnen in Polen, Spanien, Argentinien, Arabien und vielen anderen Ländern den Kampf gegen Feminizid und die spezifische Unterdrückung, die sie erleiden und für soziale und politische Gleichheit, für die Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben angeführt. Seit mehreren Jahren hat es die Anprangerung sexistischer und machistischer Gewalt ermöglicht, die abscheulichen Verbrechen, die sie schon viel zu lange erleiden, öffentlich zu machen.

Der Kampf gegen die Unterdrückung der Geschlechter kann nicht den sozial ausbeutenden oder Mittelklassen überlassen werden. Der kleinbürgerliche Feminismus, der sich auf einige wenige universitäre Fachbereiche stützt, addiert unter dem Etikett „Intersektionalität“ Unterdrückungen auf, ohne ein reales Ergebnis zu verfolgen, und neigt dazu, Frauen gegen alle Männer auszuspielen. Mit Unterstützung der Massenmedien beschränkt sich der bürgerliche Feminismus darauf, die Situation der Frauen der Ausbeuterklasse zu verbessern, indem er ihnen mehr Positionen in der Politik oder in kapitalistischen Unternehmen verschafft. Nur die Arbeiterklasse kann, indem sie die Führung im Kampf gegen alle Arten von Unterdrückung übernimmt, denen die Menschen unterworfen sind (aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit, ihres Geschlechts, ihrer Nationalität, ihrer ethnischen Eigenschaften, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Atheismus, ihrer Religion…), die Gleichheit zwischen Männern und Frauen erreichen und die gesamte Menschheit emanzipieren.

Deshalb muss der Kampf für die Emanzipation der Frauen die Sache der gesamten Arbeiter*innenbewegung sein. Um die Arbeiterklasse zu vereinen und Allianzen mit Student*innen, Bäuerinnen, Beamt*innen … zu bilden, müssen die Arbeiter*innenorganisationen das Recht auf Selbstorganisation der arbeitenden Frauen anerkennen und sich aktiv für die Verteidigung der Freiheit und Gleichheit der Frauen in allen Bereichen einsetzen, für die Verteidigung ihres Rechts, über ihr Leben, ihren Körper und ihren Gebärwillen zu bestimmen, für die Verteidigung all ihrer Forderungen als Arbeiterinnen, die besonders ausgebeutet und unterdrückt werden. 

Volle rechtliche Gleichstellung. Verteilung der Arbeit auf alle, durch Verkürzung des Arbeitstages ohne Lohnsenkung, bis die Arbeitslosigkeit abgebaut ist. Gegen prekäre Arbeit. Wirkliche Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen. Löhne, Sozialleistungen und Renten, die allen Lohnabhängigen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Ausreichende, kostenlose und qualitativ hochwertige öffentliche Dienstleistungen, die von Arbeiter*innen beiderlei Geschlechts für Ortswechsel, Kinderbetreuung und die Pflege von Kranken und hilflosen Personen in Anspruch genommen werden können. Annehmbare Wohnungen für alle Arbeiter*innen. Sofortige Beseitigung aller Religionen aus den Schulen, für eine öffentliche, säkulare, freie und koedukative Schule. Keine direkte oder indirekte Förderung von Religionen. Wissenschaftliche Sexualerziehung, die auf Liebe und Respekt für die eigene sexuelle Freiheit und die der anderen basiert, unabhängig von der eigenen Orientierung. Freie und kostenlose Verhütung und Abtreibung auf Kosten des öffentlichen Gesundheitswesens. Allgemeine, kostenlose und säkulare öffentliche Gesundheitsversorgung. Respekt und angemessene medizinische Behandlung von spezifisch weiblichen Krankheiten und Krankheitsbildern. Kostenlose Monatshygieneprodukte. Für das Verbot und die Bestrafung von Zuhälterei. Verbot der Leihmutterschaft. Das Recht auf freien und sicheren Grenzübertritt für alle Arbeitnehmerinnen und junge Menschen in Ausbildung. Gegen Macho-Justiz und mediale Lynchjustiz aller Art. Säuberung der Justiz von  allen reaktionärer Richter. Für eine echte, nicht-sexistische, demokratische Justiz, in der die Richter von den Arbeiter*innenräten gewählt und abgewählt werden können. Selbstverteidigung von Frauen gegen Macho-Gewalt.

Die von diesem Programm überzeugten Aktivisten müssen für eine Arbeiter*innenegierung mit Perspektive einer klassenlose Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, für den internationalen Sozialismus, kämpfen.

8. März 2021

Kollektiv Permanente Revolution (Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Türkei)