Gegen die digitalen Festungen des Kapitals: Erfolgreiche Kundgebung vor der Google-Zentrale

Eröffnungsstament der Gruppe KLASSENKAMPF

Die Gruppe KLASSENKAMPF zieht eine positive Bilanz der Kundgebung vom 15. Oktober in Wien. Im Mittelpunkt standen die Folgen des Ausbaus großer Rechenzentren für Umwelt und Gesellschaft, die militärische Nutzung digitaler Technologien und die Frage, wem die digitale Infrastruktur gehört.

Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, versammelten sich vor der Wiener Google-Zentrale Menschen, um gegen die unkontrollierte Expansion der großen Technologiekonzerne und die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen zu protestieren. Unter dem Motto „Gegen die digitalen Festungen des Kapitals!“ wurde deutlich gemacht, dass die Auseinandersetzung um Rechenzentren und digitale Infrastruktur weit über einzelne Bauprojekte hinausgeht.

Wir bedanken uns bei allen, die teilgenommen, mit ihren Beiträgen die Diskussion bereichert und die gemeinsame Aktion ermöglicht haben: bei der Antimilitaristischen Aktion (AMAK), der Pankahyttn, der Solidarwerkstatt, der Gruppe Guter Grund sowie bei der Poetry-Slammerin Clara F. Ihr bewegender literarischer Beitrag gab der Kundgebung eine besondere Note und brachte die politischen Anliegen auf eine andere, unmittelbare Weise zum Ausdruck.

Clara F, bekannte Poetry Slammerin, zeigt mit ihrem literarischen Text einen anderenZugang zur Thematik – wie und warum sind wir gefordert, aktiv zu werden?
Transpi der Pankahyttns
Klare Ansage der Pankahyttn an google: „Enteignen“

Militarismus und Umweltzerstörung: zwei Seiten der digitalen Entwicklung

Die Redebeiträge beleuchteten unterschiedliche Aspekte der Expansion digitaler Infrastruktur. Ein Schwerpunkt war die militärische Nutzung digitaler Technologien. Die fortschreitende Digitalisierung ist nicht allein eine Frage technischer Innovationen: Sie wirft auch die Frage auf, welchen Interessen die entwickelten Systeme dienen und wer über ihren Einsatz entscheidet.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Umweltbelastung durch große Rechenzentren. Am konkreten Beispiel des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf in Oberösterreich wurden der Energie- und Wasserbedarf, die Auswirkungen auf den Fluss Enns, der Flächenverbrauch und die Abwärme thematisiert. Die Kritik richtete sich gegen eine Entwicklung, bei der große private Unternehmen über gewaltige Ressourcen verfügen, während die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen von der Allgemeinheit getragen werden können.

Auch "Guter Grund" unterstützte die Kundgebung
Ein Genosse von Guter Grund beschäftigte sich unter anderem mit den Umweltschäden durch Rechenzentren und forderte ein Moratorium für die geplanten Projekte.

Die Auseinandersetzung um Kronstorf ist damit Teil einer grundsätzlichen politischen Frage: Wer entscheidet über die Verwendung von Energie, Wasser und Boden? Und welchen gesellschaftlichen Nutzen hat eine Infrastruktur, deren Entwicklung sich vor allem an den Interessen großer Technologiekonzerne orientiert?

„Warum protestieren wir gegen Google?“ – eine internationale Perspektive

Zum Abschluss wandte sich ein Genosse der Gruppe KLASSENKAMPF auf Englisch an die anwesenden Tourist*innen. Damit wurde die internationale Dimension der Auseinandersetzung ausdrücklich angesprochen. Der Redebeitrag stellte das Projekt in Kronstorf in einen Zusammenhang mit Protesten gegen große Rechenzentren in anderen Ländern und formulierte die Forderung nach gesellschaftlicher Kontrolle über die digitale Infrastruktur.

Im Folgenden dokumentieren wir den Beitrag in deutscher Übersetzung:

Wir protestieren hier, weil Google in Kronstorf in Oberösterreich ein riesiges Rechenzentrum errichtet. Und das ist keineswegs nur eine lokale Angelegenheit.

Bereits die erste Ausbaustufe könnte jährlich bis zu 1,31 Terawattstunden Strom verbrauchen. Bei einem möglichen vollständigen Ausbau könnte der Bedarf auf bis zu 4,4 Terawattstunden steigen – das wäre fast ein Drittel des gesamten jährlichen Energieverbrauchs Oberösterreichs.

Das Projekt wirft außerdem schwerwiegende Fragen hinsichtlich des Wasserverbrauchs, der Enns, des Flächenverbrauchs und der Abwärme auf. Nach dem derzeit geltenden österreichischen Genehmigungsverfahren war für dieses Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Und das geschieht überall auf der Welt.

In den Vereinigten Staaten haben in 42 Bundesstaaten Proteste gegen den Ausbau von Rechenzentren stattgefunden. In Großbritannien mobilisieren sich Gemeinden und Umweltschützer*innen gegen die unkontrollierte Ausbreitung riesiger Rechenzentren. Und in Irland haben erst kürzlich mehr als 300 Menschen gegen ein geplantes großes Rechenzentrum und ein damit verbundenes Energieprojekt in der Grafschaft Waterford protestiert.

Diese Auseinandersetzungen werfen überall dieselben grundlegenden Fragen auf: Wer kontrolliert unsere Energie, unser Wasser, unseren Boden und unsere digitale Infrastruktur? Wer entscheidet darüber, wofür diese Ressourcen eingesetzt werden – und wer profitiert davon?

Unsere Antwort ist klar: Digitale Technologie muss der Gesellschaft dienen, nicht dem privaten Profit.

Wir wollen weder Computer zerstören noch den technischen Fortschritt ablehnen. Wir wollen die Herrschaft der Gesellschaft durch riesige Konzerne beenden.

Das bedeutet, die großen Technologiemonopole zu enteignen und die digitale Infrastruktur unter die demokratische Kontrolle der Arbeiter*innenklasse zu stellen. Die Menschen, die diese Systeme aufbauen, instand halten und auf sie angewiesen sind, müssen entscheidend mitbestimmen können, wie sie eingesetzt werden.

Von Kronstorf bis in die Vereinigten Staaten, nach Großbritannien und Irland: Unser Kampf ist international.

Stürmen wir die digitalen Festungen des Kapitals! Enteignen wir Big Tech! Stellen wir die digitale Infrastruktur unter die Kontrolle der Arbeiter*innen!

FÜR DEN SOZIALISMUS!

Eine gemeinsame Auseinandersetzung, die weitergeht

Die Kundgebung hat unterschiedliche politische Anliegen zusammengeführt: den Widerstand gegen die militärische Nutzung digitaler Technologien, den Kampf gegen ökologische Belastungen durch große Rechenzentren und die Forderung, die digitale Infrastruktur nicht den Interessen privater Konzerne zu überlassen.

Für die Gruppe KLASSENKAMPF ist die Auseinandersetzung mit Google in Kronstorf deshalb kein isolierter Protest gegen ein einzelnes Unternehmen oder Bauprojekt. Sie ist Teil des Kampfes darum, wer über die technischen Möglichkeiten unserer Zeit verfügt und zu welchem Zweck sie eingesetzt werden.

Die digitalen Festungen des Kapitals sind keine Naturgegebenheit. Die Frage, wem die digitale Infrastruktur gehört und wer sie kontrolliert, ist eine politische Frage. Unsere Antwort bleibt: Enteignung der großen Technologiekonzerne und Kontrolle der digitalen Infrastruktur durch die Arbeiter*innen!