Brasilien: Die ersten Schatten des Terrors

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Es sind noch zwei Monate bis zur Amtseinführung von Jair Bolsonaro, aber schon jetzt kann man ahnen, was wir in seinen vier Jahren im Amt erwarten können.

Noch bevor die offiziellen Ergebnisse der Wahl am Sonntagabend bekannt gegeben wurden, traten die Milizen, die jetzt mit Vollmachten ausgestattet werden sollen, in Aktion um die neue Ordnung in die Tat umzusetzen. Man sieht, wer ihre Feinde sind:

Die ersten Opfer waren die Indianer des Dorfes Bororó in Dourados; ein junger Student in Salvador; ein Lager der Landlosenbewegung (MST) in Dois Irmãos do Buriti und Lehrer an der Bundesuniversität von Santa Catarina, neben Dutzenden anderer Fälle von Gewalt und Verfolgung.

Am Wahltag um vier Uhr kamen drei Lastwagen ins Dorf Guarani-Kaiowá an und begannen den Angriff nachdem sich ein 19-jähriges Mädchen aus offensichtlichen Gründen der Bande gegenüber nicht ausweisen wollte, wie die Zeitung “Correio de Estado” in  Mato Grosso do Sul. berichtet:

„Es waren ungefähr 15 Leute, zwei davon mit Waffen. Sie hatten bereits Kugeln mit Gummigeschossen abgefeuert, wir konnten nirgendwo hinlaufen. Sie rissen alle Hütten nieder. Sie gossen alles Essen auf den Boden. Sie hörten erst auf als die Militärpolizei ankam. “ Der Kommandant der Militärpolizeigarnison, Carlos Silva, konnte der Zeitung keine  weiteren Informationen geben.

Nicht weit davon entfernt wurde ein Lager von Landlosen in der Nähe der BR-262 von Milizsoldaten angegriffen, die zwei Hütten in Brand setzten, berichtet die Reporterin Luana Rodrigues vom “Correio de Estado”.

In Aldeia Bem Querer de Baixo in der Indio-Gemeinde Jatobá in Pernambuco wurden außerdem eine Schule und eine Gesundheitseinrichtung niedergebrannt. Ein Hinweis aus der indigenen Gemeinschaft über den Angriff auf das Dorf, von dem “Ninja Media” berichtet, erinnert daran, dass die Pankararu kürzlich das Recht erhalten hatten, besetztes Land weiter zu nutzen.

„Die größten Verlierer sind die Kinder, die zu Beginn des Schuljahres ohne Schule dastehen, Patienten im Gesundheitszentrum, das rund 500 Mal im Monat genutzt wird, und unsere Seelen, die ständig verletzt werden. Aber man kann uns nicht zum Schweigen bringen. Widerstand ist heute mehr denn je unsere Parole. „

In Salvador, berichtet der Reporter Marcelo Auler in seinem Blog, wurde der junge J.B. am Sonntagabend bei einer Konfrontation mit der Polizei und Pro-Bolsonaro-Demonstranten verletzt. In Curitiba wurden gleichzeitig Schwule und Anhänger der PT gejagt. Aus Fortaleza kommen Berichte über Angriffe auf Journalisten.

Der schwerste Fall ist jedoch immer noch in Florianopolis zu verzeichnen und er gibt einen Hinweis darauf, wie die neue Ordnung sich an den Universitäten zu verhalten beabsichtigt.

Professorin Ana Caroline Campagnolo, gewählte Abgeordnete des Staates für die PSL-Partei Bolsonaros, eröffnete am Montag, 29. Oktober, einen „informellen Kanal der Denunziationen im Internet“, um die Lehrer im Unterricht zu überwachen. Die Abgeordnete bat darum, Videos und Informationen mit den Handynummern und  Namen von Lehrern, der Schule und der Stadt ihrer Tätigkeit einzusenden. „Wir garantieren die Anonymität der Denunzianten“, heißt es in einem sozialen Netzwerk.

Ziel ist es, Lehrer ausfindig zu machen, die im Koordinatensystem des gewählten Präsidenten als “links” anzusehen sind. Jenes gewählten Präsidenten, der am Sonntagabend in seiner ersten Rede und in sozialen Netzwerken seine offizielle Linie verkündete: „Wir können nicht mehr mit Sozialismus, Kommunismus, Populismus und Linksextremismus flirten “

Es sind noch zwei Monate bis zur Amtseinführung von Jair Bolsonaro, aber schon jetzt kann man ahnen, was wir in seinen vier Jahren im Amt erwarten können. Wir werden sehen, was noch kommen wird.

leicht gekürzte Übersetzung aus: http://kaosenlared.net/brasil-os-primeiros-alvos-das-milicias-de-bolsonaro/

Bildnachweis: Andre Gustavo Stumpf, https://www.flickr.com/photos/degu_andre/7029769999, CC BY 2.0