8. März 2026: Den Kapitalismus besiegen, das Patriarchat zerschlagen!

Der Kapitalismus hat die geschlechtsspezifische Unterdrückung geerbt und an seine Bedürfnisse angepasst. Insbesondere profitiert er von der Reproduktionsarbeit der Produzent*innen und der Erhaltung der Arbeitskraft, die unentgeltlich von ausgebeuteten Frauen geleistet wird. Aufgrund der Rückschläge am Ende des 20. Jahrhunderts (Zerschlagung früherer sozialer Errungenschaften, Restauration des Kapitalismus in Russland und China, Politik der Reformisten in den beherrschenden Ländern und der Nationalisten in den beherrschten Ländern …) setzen die großen imperialistischen Mächte (USA, China, Deutschland, Russland, Japan, Frankreich, Großbritannien …) die Zerstörung der Umwelt fort und bereiten eine Neuaufteilung der Welt, einen neuen Weltkrieg, vor. Die Folgen sind bereits für die Arbeiterinnen in den Städten und auf dem Land spürbar.

Zunächst gilt die Priorität den Rüstungsausgaben – auf Kosten des weltweiten Gesundheitsschutzes und der sozialen Ausgaben in jedem einzelnen Staat.

Allein im Jahr 2026 sind schätzungsweise 4,5 Millionen Mädchen – viele davon unter fünf Jahren – dem Risiko ausgesetzt, einer weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) unterzogen zu werden. Derzeit leben mehr als 230 Millionen Mädchen und Frauen mit deren lebenslangen Folgen … Kürzungen der Finanzmittel und rückläufige internationale Investitionen in Programme für Gesundheit, Bildung und Kinderschutz schränken die Bemühungen zur Verhinderung der weiblichen Genitalverstümmelung und zur Unterstützung der Überlebenden bereits ein. (UNFPA, UNICEF, UN Women, WHO, UNESCO, Gemeinsame Erklärung, 5. Februar 2026)

Weiters wird die reproduktive Rolle der Frauen von den bürgerlichen Staaten in den Vordergrund gestellt, da sie das Kanonenfutter, die künftigen Wehrpflichtigen, gebären sollen. Daher die Wiederbelebung pronatalistischer politischer Maßnahmen, die darauf abzielen, die Lohnarbeit von Frauen zu entmutigen, ebenso wie xenophobe Politiken gegen Migration. Diese machen Frauen und Mädchen auf den immer gefährlicher werdenden  Routen anfälliger für Vergewaltigungen. Gelingt es ihnen, ihr Ziel zu erreichen, werden sie häufig zu doppelt diskriminierten Arbeiterinnen. Die Situation ausländischer Hausangestellter grenzt in den absoluten und salafistischen Monarchien des arabisch-persischen Golfs, die Verbündete der westlichen imperialistischen Mächte sind, an Sklaverei.

Schließlich geht der Militarismus unweigerlich mit einem Wiedererstarken des Männlichkeitswahns einher. Auch im 21. Jahrhundert bleiben Femizide eine weltweite Geißel. Obskurantistische Kleriker, faschistische Bewegungen, neue bürgerliche Parteien, die auf Xenophobie und Rassismus beruhen, und selbst traditionelle bürgerliche Parteien nähern sich dabei an, die Arbeiter*innen zu spalten, die von den Frauen erkämpften Rechte zunichte und das patriarchale Joch noch erdrückender zu machen.

In Gaza waren Frauen und Kinder die ersten Opfer der Bombardierungen und der Hungersnot, die Israel mit Unterstützung der westlichen imperialistischen Staaten hervorgebracht hat.

Vom 7. Oktober 2023 bis zum 5. Januar 2026 waren mehr als 56 % der Menschen, die direkt durch Bombardierungen oder Bodenoperationen der israelischen Armee getötet werden, Frauen, Minderjährige oder ältere Menschen. (The Lancet, 18. Februar 2026)

Israel wendet in der Westbank dieselben Methoden der ethnischen Säuberung an. Mehrere Dutzend Palästinenserinnen, die in israelischen Gefängnissen inhaftiert und misshandelt werden, dienen weiterhin als Geiseln.

Israel und Syrien haben am 5. und 6. Jänner in Paris unter der Schirmherrschaft der Türkei und der Vereinigten Staaten verhandelt. Am Tag nach dem Abkommen griff die klerikale Regierung der HTC (aus Al-Qaida hervorgegangen) die kurdischen Viertel von Aleppo an und bemächtigte sich anschließend der Provinzen Rakka und Deir ez-Zor im Nordosten. Die von der PKK-PYD proklamierte rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen in Rojava verschwindet mit der „Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens“. Auch wenn die kurdische bürgerlich-nationalistische Partei völlig unfähig war, dieses Programm umzusetzen, da sie die traditionelle Familie verteidigte und mit den Führern der arabischen Stämme paktiert hatte, sind die kurdischen Frauen bedroht – als Kurdinnen und als Frauen. Die reguläre Armee und andere islamistische Banden, die Israel einen Teil Syriens besetzen lassen, haben im März 2025 Hunderte Alawit*innen massakriert und mehrere Dutzend Frauen entführt (die dadurch wiederholten Vergewaltigungen ausgeliefert sind). Sunnitische Banden griffen im Mai die Drus*innen an, neuerlich begleitet von Entführungen von Frauen. Mit dem Segen der Vereinigten Staaten und der Türkei bemüht sich die nicht gewählte Regierung von Al-Charaa, die Scharia einzuführen.

Selbst in den beherrschenden kapitalistischen Ländern, deren Bourgeoisie über ihre eigene Arbeiter*innenklasse hinaus ausbeutet und den Arbeiterinnen häufig Zugeständnisse gemacht hatte, scheinen frühere Errungenschaften nicht mehr garantiert.

Japan hat erstmals eine Ministerpräsidentin, doch sie ist xenophob und militaristisch. Frauen, die dort in Vollzeit arbeiten, verdienen im Durchschnitt nur 60 % des Lohns ihrer männlichen Kollegen.

In den Vereinigten Staaten verbietet die Trump-Regierung die Begriffe „Feminismus“, „LGBT“, „Umweltverschmutzung“, „Rassismus“, „Gleichheit“ … in den Bundesverwaltungen. Transgender-Personen werden gezielt angegriffen. Unter dem Druck christlicher Kirchen verbieten fast die Hälfte der Bundesstaaten den Schwangerschaftsabbruch.

In China ist es Arbeiterinnen unmöglich, Diskriminierungen oder häusliche Gewalt anzuprangern. Das totalitäre Regime von Xi schränkt nun auch das Recht auf Verhütung und Abtreibung ein: Seit dem 1. Jänner erhebt es eine Steuer von 13 % auf Kondome und die Antibabypille.

Überall auf der Welt – ohne die Frauen der Bourgeoisie zu verschonen – trifft die Unterdrückung in maximaler Härte die proletarischen Frauen, die Arbeiterinnen des informellen Sektors in den Städten und die armen Bäuerinnen. Während die Frauen der herrschenden Klasse von den Zwängen der Arbeit entlastet sind und Freizeit genießen können, unterliegen die Frauen der beherrschten Klassen einer doppelten Belastung: arbeiten wie die ausgebeuteten Männer für die Ausbeuter; den Großteil der Hausarbeit sowie die Pflege von Kindern und Alten übernehmen.

Der frauenfeindliche Präsident der Vereinigten Staaten hat mit einem Flügel des „bolivarischen“ bürgerlichen Regimes konspiriert, um Präsident Maduro zu entführen und ihn durch eine Frau, Rodríguez, zu ersetzen – doch die Arbeiterinnen Venezuelas haben dadurch nichts gewonnen. Während die Freunde Epsteins alle reich und mächtig waren, stammten die jungen, oft minderjährigen, Mädchen, die er ihnen zuführte, stets aus den unteren Klassen. Die französische faschisierende Partei RN, die bei den letzten Parlamentswahlen die meisten Stimmen erhalten hat, wird von einer Frau, Le Pen, geführt, will jedoch Bordelle legalisieren, das heißt Zuhälterei offiziell machen. Die Emanzipation der Frauen kann nicht von den politischen Führerinnen der Bourgeoisie vorangetrieben werden (Meloni in Italien, Takaichi in Japan, Sheinbaum in Mexiko, Frederiksen in Dänemark, O’Neill in Nordirland, Rodríguez in Venezuela …).

Von der Selbstverteidigung und der Solidarität gegen die einwanderungsfeindliche Polizei in den Vereinigten Staaten bis zu den Demonstrationen der Völker Irans gegen das bürgerlich-theokratische Regime stehen Arbeiterinnen und Studentinnen an vorderster Front aller Kämpfe. Wenn Arbeiterinnen, Angestellte, Hausangestellte, werktätige Bäuerinnen, Studentinnen … nicht als Steigbügelhalterinnen für die Ausbeuterinnen und deren politische Vertreterinnen dienen wollen, müssen sie Organisationen aufbauen, die unabhängig sind von den ausbeutenden Klassen, die das Patriarchat aufrechterhalten, von deren Staaten und ihrer UNO, von deren Parteien und den Frauenverbänden in den Händen bürgerlicher Parteien (Demokratische Partei in den USA, PJ in Argentinien, Kongresspartei in Indien …).

Die Grundlagen, um die Wurzeln der Unterdrückung der Frauen auszureißen, existieren: Einerseits ermöglicht die Entwicklung von Wissenschaft und Technik die Kontrolle der Geburten und die Automatisierung eines Teils der Hausarbeit; andererseits bringt die Ausdehnung des Kapitalismus die Arbeiter*innenklasse hervor, die ein Interesse daran hat, die alte Ordnung zu stürzen und eine Gesellschaft zu schaffen, die frei ist von Mangel und jeglicher Unterdrückung. Es gilt, eine soziale Revolution durchzuführen, deren treibende Kraft die Arbeiterklasse sein wird. Diese historische Aufgabe erfordert die Mobilisierung der Arbeiterinnen in Form spezifischer Organisationen (wie die Frauenklubs und die Frauenunion der Pariser Kommune von 1871, die Sozialistische Fraueninternationale, die 1907 den Internationalen Tag der Arbeiterinnen am 8. März ins Leben rief, das Jenotdel der UdSSR, 1919 von den Frauen der bolschewistischen Partei gegründet und 1930 von Stalin aufgelöst) und zugleich innerhalb der gesamten Arbeiter*innen- und Volksbewegung: Versammlungen, Gewerkschaften, revolutionäre Partei, Räte.

Indem sie Hand in Hand mit der Arbeiterpartei marschieren, sind die Arbeiterinnen bereit, alle Mühen und alle Opfer des Kampfes zu teilen, aber sie sind ebenso fest entschlossen, nach dem Sieg alle ihnen zustehenden Rechte einzufordern. (Clara Zetkin, Juli 1889)

  • Vollständige rechtliche Gleichstellung der Frauen in allen Ländern. Vollständige Trennung von Religion und Staat. Abschaffung jeglicher öffentlicher Finanzierung der Kleriker.
  • Arbeitsplatzgarantie und Mutterschaftsurlaub für schwangere Frauen. Renten, die allen Arbeiterinnen ein würdiges Leben ermöglichen, auch jenen, die für ihre Ehemänner gearbeitet haben (Bauern, Händler usw.) oder vom Lohnarbeitsverhältnis ausgeschlossen waren, um Kinder zu gebären und aufzuziehen.
  • Menschenwürdiger und erschwinglicher Wohnraum für alle Arbeiterinnen, insbesondere für Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen oder allein Kinder erziehen. Kostenlose und hochwertige öffentliche Dienstleistungen, die den Arbeitsweg, die Kinderbetreuung sowie die Pflege von Kranken und pflegebedürftigen Menschen gewährleisten.
  • Unverzügliche Eliminierung jeder Religion aus den Schulen. Einheitliches, öffentliches, säkulares, kostenloses und koedukatives Bildungssystem. Wissenschaftliche Sexualerziehung, basierend auf dem Einverständnis der Partner*innen, sexueller Freiheit und Liebe – unabhängig von der Orientierung.
  • Verbot jeder genitalen Verstümmelung. Freie und kostenlose Verhütung und Abtreibung als Teil des öffentlichen Gesundheitssystems. Anerkennung und angemessene medizinische Behandlung spezifisch weiblicher Krankheiten und Pathologien. Kostenlose Bereitstellung von Menstruationsprodukten.
  • Verbot und strafrechtliche Verfolgung der Zuhälterei. Selbstverteidigung der Frauen gegen sexistische Gewalt. Demokratisches und nicht-sexistisches Justizsystem, in dem Richter*innen von den Räten der Arbeiterinnen und Arbeiter gewählt und abwählbar sind.
  • Freiheit für Arbeiterinnen und Arbeiter, Geflüchtete, Jugendliche in Ausbildung, staatliche Grenzen frei und sicher zu überschreiten.
  • Auflösung der stehenden Heere, Bewaffnung der Arbeiter unter der Kontrolle der Arbeiter*innenorganisationen, unabhängig vom Geschlecht.

Eine Regierung der Arbeiterinnen und Arbeiter in jedem Land als erster Schritt hin zu einem weltweiten Kommunismus ohne Klassen, ohne Ausbeutung, ohne Unterdrückung, in dem Frauen und Männer gleichberechtigte und emotional bereichernde Beziehungen eingehen werden.

8. März 2026
Kollektiv Permanente Revolution
(Argentinien, Österreich, Spanischer Staat, Frankreich, Türkei)