Südafrika: Zwei Monate Streik in der Platinindustrie

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Klare Forderung: 12.500 Rand Mindestlohn
Klare Forderung: 12.500 Rand Mindestlohn

Von den internationalen Massenmedien weitgehend totgeschwiegen , tobt in Südafrika seit zwei Monaten ein harter Arbeitskampf, der Teile der Platinproduktion lahmlegt. Auf Seiten der Arbeiter ist es die AMCU (Association of Mineworkers and Construction Union), die den Kampf führt; sie ist eine kämpferische Abspaltung der COSATU-Gewerkschaften und hat beim Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter in Marikana eine entscheidende Rolle gespielt.

Die Minenkapitalisten werden durch die CEOs der drei großen Konzerne Implats, Amplats und Lonmin vertreten. Sie jammern, dass der Streik bisher schon fast 10 Milliarden Rand gekostet habe (umgerechnet rund 6,5 Mrd, €).

Bosse heucheln Mitgefühl…

In einer gemeinsamen heuchlerischen Erklärung der drei CEOs zeigen sie plötzlich so etwas wie soziales Gewissen: Es sei furchtbar, dass die Kinder der Streikenden so leiden müssten, weil sie hungerten und nicht zur Schule gehen könnten, da die Eltern kein Geld für Unterricht oder Schulbusse hätten. Immer wieder würden verzweifelte Arbeiter bei den Geschäftsführungen vorstellig , weil sie gerne wieder arbeiten würden…

Und auch die Kriminalität habe zugenommen.

Alle diese Probleme sind den Streikenden, ihren Familien und den Aktivisten der AMCU auch ohne Nachhilfe durch die Bosse klar. Bei einer Frauendemonstration in Marikana wurde der Geschäftsführung von Lonmin ein Memorandum überreicht, in dem die Frauen einen Mindestlohn von 12.500 Rand für die Minenarbeiter fordern – die gleiche Forderung, derentwegen es im August 2012 zum Massaker von Marikana gekommen war. „Wir verhungern!“, hieß es auf Tafeln, welche die Demonstrantinnen bei sich trugen. „Ben Magara [der CEO von Lonmin ] – Du hast die Macht, das zu ändern“, war fast symmetrisch zu lesen.

…und drohen mit Massenentlassungen

Dass sich die Fronten weiter verhärten, liegt nicht zuletzt an der Drohung der Konzernherren, massenhaft Arbeiter zu entlassen. Die Zeit sei reif für eine weitere Mechanisierung des Platinabbaus, und 45 % der Minen arbeiteten ohnehin nicht profitabel. Den einfachsten Weg , dieses Dilemma zu beenden, lehnen die Konzerne aber ab: Die Enteignung der Minen unter Arbeiterkontrolle. Wo der Krempel doch eh unrentabel ist, oder?

Charmane Russell von der Vereinigung der Bergwerksbesitzer spricht da schon offener aus, worum es wirklich geht: Je länger der Streik, desto „tiefgehender die Umstrukturierung“. Heißt also: Die Strafe der Massenarbeitslosigkeit soll dem Streik folgen.

"Für einen Lohn zum Leben!"
„Für einen Lohn zum Leben!“

Jetzt hat sich der Gewerkschaftsdachverband COSATU zu Wort gemeldet. Treu zur „nationaldemokratischen Revolution“ und staatstragend, wie es sich für einen Pfeiler der regierenden Drei-Parteien-Allianz gehört, ruft auch COSATU zum Streikabbruch auf.

Aber auch die NUMSA (Metallarbeitergewerkschaft), die im Dezember mit dem COSATU gebrochen hat, ist kein wirklicher Verbündeter der Streikenden: Vergangene Woche hat die NUMSA einem Gehaltsabschluss von zwischen 7,5 und 8,5 Prozent Plus bei Applaus zugestimmt und Lob der Konzernführung für Ihren „Realismus“ geerntet.

Vor der südafrikanischen Arbeiterklasse liegt noch ein langer Weg des Kampfes für Ihre Rechte und die Schaffung einer revolutionären Führung, die einen Weg aus dem Labyrinth der Kompromisse, des Verrats und der Klassenkollaboration der alten Führungen weißen kann.