Rund um den amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli beschwor Donald Trump einmal mehr die Gefahr des „Kommunismus“. Wie schon unzählige Male zuvor diente ihm der Begriff als politischer Kampfbegriff gegen alles, was nicht in sein Weltbild passt. Damit steht er in einer langen Tradition. Seit fast zwei Jahrhunderten versuchen Politikerinnen, Journalistinnen und Ideolog*innen, das Gespenst des Kommunismus auszutreiben. Der Exorzismus dauert an – doch offensichtlich ohne Erfolg.
Bereits 1848 schrieben Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Sie stellten fest, dass sich die unterschiedlichsten politischen Kräfte darin einig waren, den Kommunismus zum gemeinsamen Feind zu erklären. Damals wie heute werfen Regierungen und Oppositionsparteien einander vor, „kommunistisch“ zu sein. Offenbar hat das Gespenst bis heute nichts von seiner Wirkung verloren.
Bemerkenswert ist dabei, dass diejenigen, die am lautesten vor dem Kommunismus warnen, nur selten erklären können, was Kommunismus überhaupt ist. Der Begriff wird zur Projektionsfläche für alles, was Angst machen soll. Seine tatsächlichen Inhalte bleiben im Dunkeln.
Das ist kein Zufall. Die herrschende Klasse verfügt nicht nur über die Produktionsmittel, sondern auch über die entscheidenden Mittel zur Verbreitung ihrer Ideen. Schulen, Universitäten, Massenmedien und heute zunehmend digitale Plattformen prägen das gesellschaftliche Bewusstsein. Marx formulierte diesen Zusammenhang in der Deutschen Ideologie prägnant: „Die herrschenden Gedanken sind nichts anderes als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse.“ Wer die gesellschaftliche Macht besitzt, verfügt in der Regel auch über die Mittel, das Denken einer Epoche entscheidend zu beeinflussen.
Und dennoch zeigt dieses ideologische Sperrfeuer Risse. Bei der Gemeinderatswahl in Graz erreichte eine Partei, die „kommunistisch“ im Namen trägt, rund 36 Prozent der Stimmen. Unabhängig davon, wie ihre reformistische Politik aus marxistischer Sicht zu beurteilen ist, zeigt dieses Ergebnis, dass jahrzehntelange antikommunistische Propaganda ihre Wirkung nicht uneingeschränkt entfaltet. Immer mehr Menschen scheinen bereit zu sein, sich ihre eigene Meinung zu bilden, anstatt die überlieferten Schreckensbilder einfach zu übernehmen.
Gerade deshalb wollen wir zu den Quellen zurückkehren. Das Manifest der Kommunistischen Partei ist weit mehr als ein historisches Dokument. Es ist die erste programmatische Darstellung des wissenschaftlichen Sozialismus und zugleich eine Analyse des Kapitalismus, deren zentrale Aussagen bis heute eine erstaunliche Aktualität besitzen. Die Globalisierung des Kapitals, die ständige Umwälzung der Produktionsverhältnisse, die Konzentration wirtschaftlicher Macht und die Zuspitzung des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit – all das beschrieben Marx und Engels bereits vor fast 180 Jahren.
Unser nächster ROTER TISCH knüpft an die lebhafte Diskussion an, die sich nach unserem jüngsten Impulsreferat im Rahmen von MARXISMUS ONLINE entwickelt hat. Gemeinsam wollen wir der Frage nachgehen, was Kommunismus tatsächlich bedeutet – nicht als Karikatur seiner Gegner*innen, sondern als wissenschaftliche Theorie und als Perspektive für die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft.
Warum verfolgen die Herrschenden den Kommunismus bis heute mit solcher Vehemenz? Was wollten Marx und Engels wirklich? Welche Missverständnisse prägen die öffentliche Debatte bis heute? Und welche Aktualität besitzt das Manifest der Kommunistischen Partei angesichts der Krisen des gegenwärtigen Kapitalismus?
Wir laden alle Interessierten herzlich ein, mitzudiskutieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer bereit ist, politische Schlagworte kritisch zu hinterfragen und sich mit den Grundlagen des Marxismus auseinanderzusetzen, ist herzlich willkommen.
Roter Tisch der Gruppe KLASSENKAMPF
Montag, 13. Juli 2026, 19:00
WUK, AKN-Raum (Gebäude F), Währinger Straße 59, 1090 Wien



